Die Digitalisierung wird auch die Apothekenlandschaft und den Beruf des Apothekers in den nächsten Jahren massiv verändern. War unser Beruf in den letzten Jahrhunderten vorwiegend dadurch geprägt, dass die Menschen zu uns in die Apotheke kamen, um sich bezüglich Ihrer Gesundheit oder der verordneten Therapie beraten zu lassen, so wird dies in Zukunft immer stärker außerhalb der Apotheken durch unsere digital vernetzten Strukturen erfolgen. Denn am Ende werden wir immer die Wege bevorzugen, die am effektivsten und auch am bequemsten sind, und das wird häufig eher nicht der Weg in die Apotheke sein.

Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir Apotheker und Apothekerinnen jetzt mutig vorangehen und versuchen, die Zukunft mit zu gestalten. Welche Services möchten wir zukünftig unseren Kunden anbieten? In welchen Bereichen sind wir besonders gut? Wie bekommen wir diese Services den Menschen in unserem Einzugsgebiet vermittelt? Wir kommen um eine Veränderung unserer Kommunikationswege nicht herum.

Digitalisierung heute

Bis dato hat die Digitalisierung vor allem unsere Geschäftsräume erreicht. Gerade in der Prozessoptimierung im Backoffice, durch automatische Warenlager und Bestellsysteme. Oder in unserer Offizin bei der Warenpräsentation und Angebotsunterbreitung mittels Monitoren am Point of Sale. Aber auch in der Unterstützung der Beratung unserer Kunden vor Ort.

Die digital vernetzte Apotheke, Der digitale ApothekerGerade für die Fortbildung des Apothekenteams setzen wir immer stärker auf digitale Möglichkeiten. E-Learnings und Webinare sind sehr effiziente Möglichkeiten, um Wissen in kompakter Form zu vermitteln. Auf diese Weise kann sich das gesamte Team in kurzen Sessions fortbilden und die Qualität der Beratungsleistung verbessern. Und das zu vielen unterschiedlichen Themen und wann immer man möchte. Waren sonst zu den angesetzten Inhouse-Schulungen immer nur ein Teil der Belegschaft anwesend und passte der Zeitraum am Ende meistens doch nicht so richtig, ist dies bei Online-Trainings deutlich effizienter und bequemer. Und das für beide Seiten, den Anbieter und die Apotheken.

Bei der Beratung unserer Kunden tun wir uns allerdings schwer damit, die alten Denkmuster zu verlassen. Hier sind wir vielfach der Auffassung, dass eine hochwertige pharmazeutische Beratung nur innerhalb unserer Geschäftsräume von Angesicht zu Angesicht möglich ist. Was unterscheidet aber die Bedürfnisse des Kunden von denen unseres Personals? Warum sollten unser Kunden nicht ebenfalls für diese Art der Information empfänglich sein?

Social Media und die Folgen

Etwa 2 Milliarden Menschen sind heute alleine über Facebook miteinander vernetzt. Hier werden bereitwillig Erfahrungen, Meinungen, Informationen und Wissen untereinander geteilt. Wollten wir alle Menschen persönlich erreichen, die unser Wissen interessieren könnte, wäre dies ein unmögliches Unterfangen. Die sozialen Medien erhöhen gnadenlos unsere Effizienz, und dies sowohl für den Sender der Informationen als auch für den Empfänger.

Mussten wir früher weite und komplizierte Wege für das Einholen von Informationen in Kauf nehmen, geht dies heute wahnsinnig einfach mit nur wenigen Klicks. Und wir können darüberhinaus den Informationsfluss auch noch ganz individuell auf unsere Bedürfnisse einstellen und filtern, so dass uns nur die Informationen erreichen, die uns auch tatsächlich interessieren.

Ich denke, auch die Mehrzahl des Apothekenpersonals nutzt und schätzt diese Möglichkeiten im Alltag und verbringt regelmäßig Zeit in sozialen Netzwerken. Aber dennoch tun wir uns schwer damit, dies auch für unsere Apotheken zu etablieren. Hier scheinen wir die Notwendigkeit nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen. Vielleicht fühlen wir uns auch überfordert und wissen nicht genau, wie wir hier vorgehen sollen. Genau da setzt die #Digitalewerkstatt an.

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir die Stärken unserer Apotheke im gesamten Einzugsgebiet richtig bekannt machen könnten? Wir müssen uns übrigens von dem Anspruch lösen, deutschlandweit eine wahnsinnige Reichweite aufzubauen! Es reicht doch vollkommen aus, wenn wir in unserem Einzugsgebiet Aufmerksamkeit erzielen und dies geht über die Sozialen Medien hervorragend.

Die #Apotheke vor Ort braucht keine deutschlandweite Reichweite! Konzentriert Euch stärker auf Euer Einzugsgebiet! #diedigitaleapotheke Klick um zu Tweeten

Jeder kann heute Informationen senden

Früher wurden Experten durch die großen Medienhäuser erkoren und es waren häufig immer die gleichen Gesichter, die hier zu Wort kamen. Wir mussten das konsumieren, was ausgestrahlt und abgedruckt wurde.

Durch die sozialen Medien ist jeder Mensch in die Lage versetzt worden, zum Sender zu werden. Heute kann jeder seine Meinung und sein Wissen kund tun. Wenn wir das Interesse anderer Menschen wecken, werden sie uns folgen, denn sie möchten mehr von uns wissen. Wenn nicht, wird unsere Reichweite belanglos bleiben und uns wird kaum jemand zu hören wollen.

Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass wir einen Mehrwert stiften. Nur mit interessanten Informationen werden wir Aufmerksamkeit erzielen und nur mit einer gewissen Kontinuität werden wir diese Aufmerksamkeit aufrecht halten und ausbauen können.

Die Rolle des Apothekers

Wir Apothekerinnen und Apotheker haben in den klassischen Medien schon immer eine eher unterrepräsentierte Rolle eingenommen. Jetzt könnten wir dies ändern, aber wir nutzen die Chancen kaum, die uns die “neuen Medien” unterbreiten. Dabei wäre es relativ einfach, sich einer größeren Öffentlichkeit als Gesundheitsberater zu präsentieren.

Stattdessen überlassen wir anderen dieses Feld. Und so tummeln sich im Netz eine unzählige Anzahl an Menschen, die zu allen möglichen Gesundheitsthemen Inhalte bereitstellen. Hier erzielen fachfremde Persönlichkeiten durchaus relevante Reichweite und wir Apotheker laufen langfristig Gefahr, dass wir unseren Stellenwert als Gesundheitsberater verlieren. Daher kann ich jeden nur ermutigen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und seine eigene digitale Identität zu finden.

Alte Denkmuster

Es ist höchste Eisenbahn, die alten Denkmuster abzustreifen und sich mit den neuen Möglichkeiten unserer digital vernetzten Welt zu beschäftigen. Es ist dabei durchaus menschlich, dass wir uns an die gelernten Dinge klammern, die wir immer schon getan haben, und uns ungerne auf neue Pfade begeben. Aber die Augen zu verschließen und zu hoffen, dass alles gut wird, wird am Ende nicht funktionieren. Und wir verlieren allmählich kostbare Zeit.

Zum einen sollten wir uns dahin begeben, wo die Gespräche unserer Kunden stattfinden und gut zuhören, was die Menschen interessiert. Das können Facebook-Gruppen zu diversen Themen oder aber auch YouTube-Kanäle sein, die vielleicht der eigenen Spezialisierung entsprechen. Wir müssen lernen, wie der Informationsfluss in den Netzwerken funktioniert und uns anschließend den Gegebenheiten anpassen. Gerade die unzähligen Kommentare bei YouTube geben einen guten Einblick, was die Menschen interessiert und welche Fragen sie beschäftigt.

Am Ende muss uns vor allem eins klar sein: Die sozialen Medien werden nicht mehr verschwinden!

Daher halte ich es auch für keine gute Idee, den Bedenkenträgern das Kommando zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass sie uns erfolgreich in die Zukunft führen werden. Wir sollten viel mehr gemeinsam an Ideen arbeiten, wie sich unser Berufsstand in Zukunft darstellen möchte. Und das besser heute als erst übermorgen.

Die #Apotheke war schon immer eine großartige soziale Plattform, sie muss diese Kunst heute nur in andere Kanäle transportieren. #diedigitaleapotheke Klick um zu Tweeten

Märkte sind Gespräche

Am Ende geht es bei allem was wir tun darum, dass wir authentisch sind, eine Beziehung zu unserem Gegenüber aufbauen und zuhören. Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass diese Kunst die Grundlage der letzten Jahrhunderte in unserer analogen Apotheken-Welt war. Die Apotheke war schon immer eine hervorragend aufgestellte soziale Plattform und wir müssen heute “nur” verstehen, dass wir all das nun in andere Kanäle transportieren müssen, damit wir weiterhin die Nähe zu unseren Kunden halten. Mehr ist es eigentlich gar nicht. Wir haben alle das Handwerkzeug in unseren Genen, ansonsten hätten wir diesen Beruf nicht gewählt.

Darum bin ich auch sehr zuversichtlich, dass es die Apotheken auch in Zukunft noch geben wird.

Die Effizienz ist entscheidend

Sowohl die Sender (Apotheken) von Informationen als auch die Empfänger (Kunden) suchen sich heute mit Hilfe unserer digital vernetzten Welt neue Wege, und am Ende entscheidet der beste und effizienteste Weg.

Für die meisten Kunden ist es wahrscheinlich weniger das oft zitierte “Einkaufserlebnis”, sich auf den Weg in unsere Apotheke zu begeben, als ein notwendiges Übel. Auch wenn das Apothekenteam besonders kompetent und nett ist, wird sich am Ende der effizientere Weg durchsetzen. Nicht nur, weil man sich auf den Weg machen muss, einen Parkplatz suchen darf und am Ende noch in der Warteschlange stehen muss, um dann vielleicht von einer neuen Mitarbeiterin bedient zu werden, bei der man bezüglich der Qualität der erhofften Information eher skeptisch ist. Das klingt jetzt vielleicht sehr hart gegenüber uns und allen Angestellten in den Apotheken, ist auch absichtlich etwas provokativ formuliert. Aber wir müssen hier bitte ehrlich zu uns sein. Der treuste Kunde wird sich zweimal überlegen, ob er weiterhin zu uns kommt, wenn es einen spürbar effizienteren Weg geben wird.

Ich erinnere mich hierbei gerne an die Zeiten der Videotheken. Ein Ort, zu dem sicherlich der ein oder andere am Wochenende aufgebrochen ist. Hier kannte man irgendwann die freundliche Bedienung an der Kasse und führte das ein oder andere lockere Gespräch. Vielleicht sprach sie einem auch einmal eine Empfehlung aus, der man gerne nachkam. Sicherlich sind Apotheken nicht mit Videotheken vergleichbar, aber das Gesetz der Effizienz trifft auf beide zu. Wer sucht heute noch eine Videothek auf? Und was ist mit der freundlichen Bedienung an der Kasse passiert? Das habe ich mich jetzt tatsächlich zum ersten Mal gefragt und ich glaube unsere Kunden würde es auch nicht sonderlich interessieren, was mit uns passiert und ihr Handeln dadurch umstellen.

Wer hat sich gefragt, was aus den Mitarbeitern der zahlreichen Videotheken geworden ist? Warum sollte dies am Ende bei #Apotheken anders sein? #diedigitaleapotheke Klick um zu Tweeten

Wenn wir heute für uns entscheiden, dass wir gerne einen neuen Fernseher, ein neues Auto oder sonst irgendetwas kaufen möchten, was tun wir? Ich würde behaupten, dass eine überwiegende Mehrheit das Netz durchforsten wird, um möglichst gute und umfangreiche Informationen einzuholen. Und das wahrscheinlich eher am Abend, wenn kein Elektromarkt und kein Autohaus dieses Landes mehr geöffnet hat. Bei Elektronikartikel wird eine überwiegende Mehrheit am Ende den Artikel auch eher online bestellen. Beim Auto tun wir uns heute vielleicht noch schwer, aber ich bin mir sicher, dies ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Wenn wir überhaupt unsere Autos in Zukunft noch kaufen.

Und warum sollte dies bei Gesundheitsthemen anders laufen? Schon heute besitzt etwa jede 20. Suchanfrage auf google einen Bezug zur Gesundheit.

Ich höre jetzt die Stimmen, “aber bei unserer Gesundheit und bei Arzneimitteln handelt es sich um Güter besonderer Art und dies darf man alles nicht gleichsetzten”.

Güter besonderer Art?

Natürlich gilt unserer Gesundheit eine besondere Aufmerksamkeit und auch für Arzneimittel müssen sicherlich strengere Anforderungen an die Sicherheit angelegt werden als bei anderen Gütern. Aber was hat all dies genau mit den Veränderungen durch unsere digital vernetzte Welt zu tun? Und warum muss diesbezüglich am Ende zwangsläufig die Qualität leiden? Die Frage ist doch vielmehr, wie wir die technischen Möglichkeiten einsetzen können, damit die Qualität sogar verbessert wird.

Diese Themen möchte ich in Zukunft intensiv bearbeiten und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort kommen lassen. Am Ende hoffe ich, dass ich den ein oder anderen inspirieren kann und hoffentlich möglichst wenige verstöre 😉